Wort in den Tag

Lothar Klinges, Weywertz

800 Jahre Klara von Assisi

Liebe Hörerinnen und Hörer,
Vor 800 Jahren verließ die Hl. Klara von Assisi, deren Fest wir heute feiern, ihr adliges Elternhaus und legte nach dem Vorbild des Bettelordens des Hl. Franziskus in der Portiunkula-Kapelle bei Assisi das Gelübde für ein Leben in Armut, Keuschheit und Gehorsam ab. Aus diesem Anlass feiert die Franziskanische Gemeinschaft ihre Heilige am heutigen Todestag, aber auch während des ganzen Jahres bis zum 11. August 2012.
Es war eine Zeit, in der sich die Kirche in einer Erneuerungsbewegung befand, die das Evangelium neu entdeckte. Klara verspürte einen starken Drang, dem armen nachzufolgen. Sie wurde in ihrem Suchen innerlich bestärkt durch ihr Vorbild und ihren Freund Franziskus. Vor 800 Jahren verwirklichte sie den Entschluss, sich dem Leben des hl. Franziskus anzuschließen.

Ich frage mich: Welche Sehnsucht hat diese junge Frau getrieben, dass ihr solche Kräfte zuwuchsen, das Verschlossene mit Entschlossenheit aufzubrechen. Die­ses Aufbrechen wurde der Aufbruch für eine neue Schwesterngemeinschaft, die Klarissen.

Mich beeindruckt immer wieder einer der letzten Sätze Klaras. Sterbend soll sie gesagt haben: „Du, Gott, sei gepriesen, weil du mich erschaffen hast.“ Zwei Mitschwestern haben diesen geflüsterten Satz gehört und sich vorgenom­men, ihn nie zu vergessen. Wenn wir so leben könnten! Sterbend darüber glücklich zu sein, dass wir geschaffen wurden.

Dieser Satz und ihr ganzes Leben machen Klara gleichermaßen zu einer beeindruckenden Gestalt: eine entschiedene Frau, die Konflikte nicht ge­scheut hat und gleichzeitig beziehungsreich lebte, eine Frau, die einen ganz neuen Weg gefunden hat und andere einladen konnte mitzugehen, eine Frau, die sich als junges Mädchen Gott zugewandt hat und noch als alte Frau ihre Liebe nicht verloren gab. Eine sterbende Frau, die sich auf den Himmel freute und gleichzeitig ihr Leben auf Erden dankbar an­schaute – fürwahr, eine solche Frau ist eine ganz be­sondere Heilige.