Wort in den Tag

Wir stehen unter Druck

Heute mit Aloys Jousten

Der Urlaub ist bald wieder vorbei, die Schulferien lassen sich noch etwas Zeit. Viele Arbeiter und Angestellte waren bestimmt froh, vier Wochen abschalten zu können. Oft wird ja auf den Druck aufmerksam gemacht, unter dem viele heutzutage leiden: Zeitdruck, Leistungsdruck, Erfolgszwang usw. Der Druck kommt aber nicht nur von außen. Ich hoffe, dass all jene, die sich selbst unter Druck setzen oder setzen lassen, während der Urlaubszeit gleichfalls haben loslassen und sich vom Druck haben frei machen können. Dann wäre der Urlaub tatsächlich eine rundum Heil bringende Auszeit gewesen.

Da erzählte einmal eine Frau, wie sie das Druck-loslassen erlebt hat: Mein Vater war gestorben und deshalb besuchte ich noch häufiger meine Mutter. Meine Zeit war meist knapp bemessen. Obschon meine Mutter diese Besuche schätzte und sich darüber wirklich freute, gelang es ihr zunächst nicht, sie wirklich zu genießen. Sie verbrachte die meiste Zeit in der Küche, weil sie mir unbedingt etwas Gutes vorsetzen wollte. Ihre Kochkünste waren nämlich hervorragend. Ich habe sie schließlich angesprochen: Du, Mutti, jetzt komm endlich einmal an den Tisch. Ich möchte doch auch mal mit dir reden. Wenn ich gleich wieder weg bin, schimpfst du, dass ich wieder nur viel zu kurz bei dir war.

Liebe Hörerinnen und Hörer! In dieser kleinen Geschichte steckt eine Erfahrung, die viele von uns bereits gemacht haben, als Tochter, als Sohn, als Mutter oder als Vater. Wir stehen nur zu oft unter Druck, weil wir uns selbst unter Druck setzen. Da sollten wir an ein Weisheitsbuch in der Bibel denken, wo es heißt: Alles hat seine Zeit. Ich muss mal abschalten, in mich hineinschauen, erkennen, wer ich bin. Tickt die Uhr nur an meinem Arm und an der Wand oder tickt sie auch in mir? Wenn wir uns unter Druck setzen lassen, laufen wir Gefahr, wichtige Werte zu vergessen, ja uns selbst zu vernachlässigen. Alles hat seine Zeit, alles braucht seine Zeit – auch der Mensch. Das kostbarste, das wertvollste Geschenk ist heute die Zeit, die wir anderen und uns selbst schenken.