Wort in den Tag

Kränkungen

Heute mit Aloys Jousten

Alt und Jung spielt ab und zu das bestbekannte „Mensch, ärgere dich nicht“. Da wird ein Stein nach dem anderen aus der Bahn geworfen. Der Würfel bestimmt das Geschehen. Ein echtes Glücksspiel – und nicht mehr und nicht weniger. Aber ärgern tut sich doch jeder, wenn seine Steine wieder vorne anfangen müssen.

Das Spiel spiegelt etwas vom Leben wider, nur ist das Leben kein Spiel! Doch Ärger gibt es allenthalben. Der Ärger kann manchmal zur Kränkung oder gar zur Verletzung werden. Wie gehe ich damit um? Vieles hängt von meiner eigenen Verfassung oder Gemütsstimmung ab. Wenn ich gereizt bin, schlägt der Blitz eher ein, als wenn ich ruhig und gut drauf bin. Andererseits kann man die ärgerlichen Dinge und die uns ärgernden Mitmenschen nicht einfach aus der Welt schaffen. Komm mir nicht zu nahe! Bleib mir drei Schritte vom Leib! Gut gemeinter Wunsch oder Befehl, aber so einfach lassen sich die Betroffenen nicht herumkommandieren. Wie also mit dem Ärger, mit den Kränkungen umgehen?

Ich kann die Dinge anders deuten. Ich kann und soll mich fragen, ob der andere mich tatsächlich kränken oder ärgern will. Es heißt ja: Man darf sich ärgern, aber man muss nicht. Wenn ich nämlich hinter jedem möglichen Ärgernis eine Bosheit wittere, mache ich mir das Leben schwer. Wir sind auch zum guten Teil unseres Glückes Schmied.

Im ersten Psalm der Bibel heißt es. Selig der Mensch, der seine Lust hat an der Weisung des Herrn, der also in Gott verankert ist. Er gleicht dem Baum, der an Wasserbächen gepflanzt ist. Ein solcher Mensch, der die Beziehung zu Gott sucht und pflegt, kommt in Einklang mit sich selbst und wird innerlich gefestigt. Ihn wird nicht jeder Windstoß umhauen, und er wird nicht so schnell und leicht umkippen. Gottes Wort will uns Menschen aufrichten und festigen. Gott liebt nämlich den aufrechten Gang des Menschen. Das bedeutet ganz konkret, dass wir wertvoll sind in seinen Augen und dass wir eine unzerstörbare Würde haben. Daher sollten wir uns nicht so schnell und leicht klein kriegen lassen, sondern glückliche Menschen sein, liebe Hörerinnen und Hörer.