Wort in den Tag

Kann man es allen recht machen?

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer. Versuchen auch Sie immer wieder, es allen recht zu machen? Dann geht es Ihnen wie dem Vater in einer alten Geschichte, der in der Mittagshitze durch staubige Gassen auf einem Esel ritt. Neben ihm lief sein kleiner Sohn. Da sagte ein Passant empört: „Schaut euch den an. Er reitet bequem und lässt seinen kleinen Jungen mit den kurzen Beinchen neben dem Esel herlaufen“.

Der Vater stieg ab und setzte seinen Sohn auf den Esel. Kaum waren sie ein paar Schritte weiter, rief ein anderer Mann: „Nun schaut euch die beiden an. Der Sohn sitzt wie ein Pascha auf dem Esel und der alte Mann muss mit seinen krummen Beinen nebenher laufen.“

Nun setzte sich der Vater zu seinem Sohn auf den Esel. Doch nach ein paar weiteren Schritten rief ein anderer empört: „Jetzt schaut euch das an. Zwei Menschen auf einem Esel, das ist zu viel für dessen schwachen Rücken; so eine Tierquälerei“.

Also stiegen beide ab und liefen neben dem Esel her. Doch sogleich sagte ein anderer belustigt: „Wie könnt ihr nur so blöd sein? Wozu habt ihr einen Esel, wenn ihr, statt ihn zu nutzen, zu Fuß lauft?“

Liebe Hörerinnen und Hörer, diese Geschichte veranschaulicht deutlich: es allen recht machen ist einfach nicht möglich. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, egal wie wir uns entscheiden, die eine Hälfte der Leute stimmt uns zu, während die andere Hälfte meint, wir hätten uns falsch entschieden. Man kann sich Ratschläge holen, aber dann sollten wir so handeln, wie unser Gewissen es uns rät, so, wie wir selbst es für richtig halten.

Edda Blesgen