Mit dem Rad nach Rom – Eifeler Mundart vom 2. August

In der Eifeler Mundartsendung vom 2. August berichtet Stephan Pesch über eine außergewöhnliche Reise, die Willy Margraff aus Deidenberg und Joseph Fohnen aus Mirfeld im Sommer 1950 unternommen haben: mit dem Rad nach Rom.

Joseph Fohnen und Willy Margraff 1950 vor der Pauluskirche in Rom (Bild: privat)

Joseph Fohnen und Willy Margraff 1950 vor der Pauluskirche in Rom (Bild: privat)

Aktivurlaub gehört heute für viele zur Erholung: mit langen Fahrradtouren oder Alpenüberquerungen. Zu einer Zeit, wo sich die meisten noch keinen Urlaub leisten konnten, gehörten Fernreisen auf eigene Faust eher in die Kategorie „Abenteuer“.

Vor 70 Jahren unternahmen Willy Margraff aus Deidenberg und Joseph Fohnen aus Mirfeld ein solches Abenteuer: eine Reise nach Rom (in einem sogenannten
„Heiligen Jahr“), und zwar mit dem Fahrrad! Die Idee dazu hatten die beiden im Ameler Turnverein gesponnen – Joseph Fohnen war während des Zweiten Weltkrieges als Soldat in Italien gewesen und hatte von dem Land erzählt. Die Strecke hatten sie mit einer Landkarte und dem Schreinermaß errechnet – ein Navi gab es da noch nicht.

Ohne große Trainingsvorbereitung trafen sich die beiden frühmorgens an der Engelsbrücke in Amel und fuhren los. Das Rad von Willy Margraff hatte immerhin drei Gänge, das von Joseph Fohnen überhaupt keine Gangschaltung.

Nach neun Tagen (und sieben Gebirgspässen) trafen sie am 2. August 1950 auf dem Petersplatz in Rom ein. Nach drei Tagen Aufenthalt machten sie sich auf die beschwerliche Rückreise – selbstverständlich mit dem Rad.

Die Eifeler Mundartsendung auf BRF2 vom 2. August 2020 bringt sehr lebendig erzählte Passagen aus einem früheren Gespräch zwischen dem Mundartpionier Kurt Fagnoul und Willy Margraff. Außerdem enthält sie (auf hochdeutsch vorgetragene) Auszüge aus dem Tagebuch, das Willy Margraff bei dieser außergewöhnlichen Romreise geführt hatte und ab Juli 2000 in mehreren Folgen in den Monatsblättern des Geschichtsvereins „Zwischen Venn und Schneifel“ veröffentlichte.

Empfehlungsschreiben des Klosters Montenau für die Reise nach Rom (Bild: privat)

Stephan Pesch

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