Der Künstlertreff zum Tod von Bill Ramsey

Anfang des Monats starb der Sänger und Entertainer im Alter von 90 Jahren. Bill Ramsey hatte Soul in der Stimme und komödiantisches Talent. Der Jazzsänger hatte weit mehr zu bieten als den "Schlagerclown" - auch wenn der ihn berühmt gemacht hatte. Horst Senker hat viele Interviews mit Bill Ramsey geführt und anlässlich seines Todes die schönsten Ausschnitte und Anekdoten daraus zusammengestellt.

Bill Ramsey und Horst Senker 2015(Bild: Biggi Müller)

Bill Ramsey und Horst Senker 2015 (Bild: Biggi Müller)

Selbst im hohen Alter stand Bill Ramsey noch auf der Bühne. Dass seine Kräfte beim Gehen ein bisschen schwächer geworden waren – egal. Gemeinsam mit Ehefrau Petra überlegte er dann eben einfach bloß, mit welchem Gehstock er das Konzert bestreiten sollte. Das Anstrengende an Tourneen seien nur die Vorbereitungen und die Reisen. «Aber auf der Bühne, da werde ich nicht so schnell müde», sagte der Musiker, dessen Lieder einst oft in den Bestenlisten des Schlagers landeten – dabei galt seine große Liebe immer dem Jazz.

Sein „Wumba-Tumba Schokoladeneisverkäufer“, die „Zuckerpuppe“ (aus der Bauchtanztruppe), „Pigalle (Die große Mausefalle)“, „Souvenirs“ oder „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“ waren Ohrwürmer. Der US-Amerikaner hatte den Nerv der Deutschen getroffen, als er sich für das Komische entschied. Denn einst stand er vor der Frage, die der Produzent seiner ersten Platte ihm 1958 stellte: „Willst du was Lustiges machen oder Rock’n’Roll?“ Damals trat der junge Mann aus den Staaten bereits als Jazzsänger in Frankfurter Army-Clubs auf.

Bereut hat er die komödiantischen Lieder nie, wie er selbst immer wieder sagte, „ganz im Gegenteil“. Auch wenn er einige Jahre später weg vom „Schlagerclown“ wollte. „Ich wollte mein Image erweitern. Dass mir das damals zum Teil so ausgelegt wurde, als würde ich mich für diese Lieder schämen, hat mich wirklich geärgert.“ Zumal es den Jazz schon lange vor dem Schlager in seinem Leben gab, wie er nicht müde wurde immer wieder aufs Neue zu betonen.

Seine große Liebe und Leidenschaft war der Jazz. Bereits als Schüler hatte sich der im US-Staat Ohio geborene Ramsey sein Taschengeld als Jazzsänger verdient, auch als Soziologie- und Wirtschaftsstudent an der Yale-Universität in New Haven blieb er dem Genre treu. 1951 kam er zur US Air Force und im Sommer darauf als GI nach Deutschland – seine allerersten deutschen Freunde traf er im Frankfurter „Jazzkeller“.

In Frankfurt lernte Ramsey, der nach der Army-Zeit zunächst sein US-Studium fortsetzte, aber wieder nach Deutschland zurückkehrte, Kollegen wie Paul Kuhn und James Last kennen. Und eben seinen Freund und Produzenten Heinz Gietz, der ihn zu Mimi und Mausefalle brachte. „Das waren dufte Titel, die vielen Menschen Freude gemacht haben“, sagte Ramsey, der auch an seinem 85. Geburtstag im St.-Pauli-Theater in seiner Wahl-Heimat Hamburg ein Konzert gab.

Seine Fans feierten ihn an jenem Abend wie eh und je, als er zu singen begann – mit jener unverkennbaren, bluesigen Stimme, die im Laufe der Jahrzehnte kaum an Soul und Energie eingebüßt hatte. Genussvoll schloss er die Augen, wippte mit seinem Knie im Takt, fühlte den Groove und beschwor den Geist der Musik aus verrauchten Jazzkellern in New Orleans oder Chicago herauf.

Seine Hits und sein komödiantisches Talent hatten dem Sänger, der sich später selbst den Titel „Schlagerveteran“ gab, vor allem in den 1960er Jahren zahlreiche Filmauftritte eingebracht – von Schlagerfilmen bis hin zum Karl-May-Abenteuer „Old Shatterhand“. Rund 30 Filme und noch mehr Alben, dazu zahlreiche TV-Sendungen – Ramsey war der geborene Entertainer und fleißig.  Jetzt ist Bill Ramsey, der seit Mitte der 1980er Jahre die deutsche Staatsangehörigkeit hatte, im Alter von 90 Jahren in Hamburg gestorben.

Horst Senker hatte Gelegenheit, Bill Ramsey bei der Produktion seines Albums „Rückfall“ im Jahre 1990 kennenzulernen. Seitdem sind sich die beiden oft begegnet: Die Einladung zu seinem 60. Geburtstag ins Kurhaus von Wiesbaden, Radiointerviews zu seinem  65, 70. und 75. Geburtstag, darüber hinaus Treffen bei Branchenfesten. Horst Senker war auch oft zu Gast in seiner Hamburger Wohnung an der Elbchaussee, wo er die letzten dreißig Jahre mit seiner Frau Petra verbrachte und erlebte immer ein äußerst gastfreundliches Ehepaar. „Sein Tod hat mich sehr berührt, aber ich bin besonders froh, dass wir ihn hatten mit seiner ganzen Vielseitigkeit und dass ich ihn bei vielen Gelegenheiten erleben durfte,“ sagt Horst Senker.

In der Sondersendung tauchen Skizzen aus früheren Interviews auf: Wie er Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg erlebte, als er als Soldat in Bremerhaven ankam; wie Deutschland seine Heimat wurde und wie musikalisch seine Kindheit zuhause in den USA gewesen ist; er berichtet über seine Liebe für den Blues und den Jazz und wie er mit ulkigen Schlagern die Hitlisten eroberte und Augen rollend und Grimassen schneidend als drolliger, molliger Twen ein Star im deutschsprachigen Raum wurde. Musikalisch begegnen wir im Künstlertreff nicht nur dem Schlagerstar Bill Ramsey, sondern auch dem passionierten Jazzsänger. Musik gibt es reichlich und einige seltene Kabinettstückchen sind auch mit dabei.

Sendetermine

Sonntag, 11. Juli : 13:00 – 14:00 Uhr
Samstag, 17. Juli : 10:00 – 11:00 Uhr

Biggi Müller/Horst Senker/dpa