Glaube Kirche Leben – 24. Oktober

Mit Rita Mackels.

Rita Mackels (Bild: privat)

Rita Mackels (Bild: privat)

„Glaube und Kirche“ wird „Glaube Kirche Leben“

Zur Frage was hat sich verändert, möchte ich provozierend antworten: Nichts! Wieso das, fragen sie? Schon Jesus verkündete zu seiner Zeit den Anbruch des Reiches Gottes, wobei er auf drei Dinge achtete: Erstens auf einfache Sprache, damit man ihn verstand, denken sie an die Gleichnisse und Vergleiche, die er zog. Zweitens achtete er auf die Sehnsucht der Menschen nach Heil und Heilung und er heilte sie. Und drittens lebte er das, was er verkündete, auch vor.

Das wollen wir weiterhin: die Botschaft vom Anbruch des Reiches Gottes weitertragen. Dabei sollten wir bei dieser Verkündigung seinem Beispiel folgen, d.h. erstens auf einfache Sprache achten, zweitens die Sehnsucht der Menschen nach Heil beachten und drittens vorleben, was wir verkünden.

Was sich aber geändert hat, ist der Mensch, den wir erreichen wollen und die Gesellschaft, in der er lebt. Und die zentrale Frage ist meines Erachtens: Wie erreichen wir den heutigen Menschen, wonach sehnt er sich?  Hier spielt das Gottesbild, das ich weitergeben will und das mich trägt, eine wesentliche Rolle.

Früher stand sehr oft der richtende, strafende Gott im Mittelpunkt. Das Leben, das es zu führen galt, wurde moralisierend gelenkt mit der Perspektive so zu leben, dass man beim jüngsten Gericht nicht gestraft wurde, um dann im Jenseits sein Heil zu finden. Heute rückt der liebende, verzeihende, zur Seite stehende Gott in den Mittelpunkt. Das Leben, das es zu führen gilt, ist maßgeblich gelenkt von Sehnsucht des Menschen, schon im Jetzt, im Leben, Heil im Glauben zu finden und durch seine Verantwortung schon im Jetzt zum Anbruch des Reiches Gottes beizutragen.

Meines Erachtens erreichen wir den heutigen Menschen, wenn wir die Verkündigung schwerpunktmäßig verlagern von der Jenseitsorientierung zur Lebensorientierung. Bleibt die Frage: Wonach sehnt sich der heutige Mensch?

Ich denke, das ist wie zu Jesu Zeiten. Menschen sind auf der Suche nach Heil, nur anders. Der heutige Mensch sucht in seinen Daseinsängsten und seiner Perspektivlosigkeit nach Lebensmut, Lebensfreude und Sinn. Dies zu finden, ist nicht einfach. Die gegenwärtigen Zustände in der Welt, die von Lieblosigkeit, Einsamkeit, Verlassenheit, Gewalt, Terror, Hunger, Not und Naturkatastrophen und vielem anderen Niederdrückendem gezeichnet sind, lassen uns oft mit der Frage zurück: Wo führt das hin? Geht diese Welt unter? Werde ich das überstehen?

Viele Menschen sehnen sich dann nach Trost, nach Lichtblicken, nach Hoffnung und einem Zufluchtsort, nach Heimat und Verlässlichkeit. Und wir sollten ihnen das Angebot machen, dies im Glauben an einen Gott zu finden, „der auf die Menschlichkeit der Menschen bedacht ist, der befreit, zur Liebe anstiftet, der die Menschen zu einem neuen Miteinander zusammenführt“ (A. Brüls), denn …

– dieser Gott will Frieden und Versöhnung in einer Welt, die zunehmend geprägt ist von Streit und Gewalt;
– dieser Gott steht für die Gesinnung des Teilens und der Solidarität in einer Welt, die dominiert wird von der Geisteshaltung der Gewinnmaximierung und Profitsucht;
– dieser Gott will Liebe und Fürsorge in einer Welt, wo Wettbewerbsfähigkeit zunehmend Leistungsschwache ausgrenzt und Arme ausbeutet;
– dieser Gott stiftet an zur Gemeinschaft und Gleichheit in einer Welt, wo Vereinsamung und der Hang zur Diskriminierung um sich greift;
– dieser Gott gibt den Auftrag die Schöpfung nicht nur zu nutzen, sondern auch zu bewahren. So heißt es in der „Genesis“:  „Er nahm also den Menschen und setzte ihn in den Garten von Eden, damit er ihn bebaue und hüte.“ (Gen, 2,15)

Wenn es uns gelingt, dieses Gottesbild zu verkünden und dadurch Menschen im Glauben einen Zufluchtsort und Heimat finden, dann machen wir das zu verkündende Wort Gottes zur lebensbejahenden Botschaft für die Menschen und die Welt. Dann finden Menschen vielleicht auch die Kraft – im Handeln wie im Verkünden – schon im Jetzt, im Leben zu diesem Reich Gottes beizutragen und den Anbruch des Reiches Gottes in die Tat umzusetzen.

Dabei brauchen wir den unausweichlichen Tod nicht zu vergessen oder gedanklich zu verdrängen, denn dieses Beitragen zum Reich Gottes hier, im Jetzt, im Leben, dieser Anbruch des Reiches Gottes ist schon ein Stück Himmel auf Erden. Dies öffnet die Perspektive auf das Leben danach, wo dieses, was hier bruchstückhaft, nur im Anbruch, erfahren wird, ewig ist. Dann weiß man sich für immer in Gottes Hand geborgen und findet Heimat. Ich wünsche uns, dass keiner von uns verloren geht und in Gottes Hand Geborgenheit und Heimat findet.

Nach diesen Gedanken verstehen Sie, warum wir das Wort „Leben“ zum Sendetitel „Glaube und Kirche“ hinzugefügt haben. Übrigens kann man das Wort „Leben“ groß oder klein schreiben. Wenn wir es klein schreiben, dann leben wir Glaube und Kirche und gestalten diese lebendig, wenn wir das Wort Leben Groß schreiben, dann sind wir lebensnahe, menschennahe, indem wir unseren Glauben und unsere Kirche mit dem Leben der Menschen verbinden.

Engelbert Cremer