25 Jahre BRF2: Eine Geschichte, die lange vor dem Sendestart begann
Am 15. November 2001 ging BRF2 erstmals auf Sendung. Doch die Geschichte der zweiten Hörfunkwelle des BRF beginnt Jahrzehnte früher: mit Musikwünschen am Sonntagabend, einer Hitparade, vollen Konzertsälen und einer Frage, die den Sender lange beschäftigte: Wie bringt man unterschiedliche Musikgeschmäcker in einem einzigen Radioprogramm unter?
Wer in den 1960er Jahren am Sonntagabend den Belgischen Rundfunk einschaltete, konnte sich ein Musikstück wünschen – und dazu einen Gruß an Familie, Freunde oder Nachbarn verschicken. Das „Wunschkonzert“ war beliebt, die Post der Hörer zahlreich. Auf den Wunschzetteln standen vor allem deutsche Schlager. Schon damals zeigte sich, wie eng diese Musik mit dem BRF und seinem Publikum verbunden war.
1972 fand die BRF-Hitparade ihren Weg ins Programm. In ihren ersten Jahren waren deutsche Schlager dort selbstverständlich vertreten, Seite an Seite mit internationalen Hits. Erst in den 1980er Jahren wurden sie zunehmend aus der Hitparade verdrängt. Aus dem Programm verschwanden sie deshalb keineswegs.
Ein Sender, zwei Musikgeschmäcker
Lange hatte der BRF nur ein Radioprogramm. Von Montag bis Samstag prägten Pop- und Rockmusik den Klang, am Sonntag gehörte viel Sendezeit dem Schlager und der Volksmusik. Beide Angebote fanden ihr Publikum. Sie innerhalb eines einzigen Senders miteinander zu verbinden, wurde jedoch immer schwieriger.
Schon seit den 1970er Jahren machten repräsentative Befragungen deutlich, dass viele Hörer sich eine klarere musikalische Ausrichtung wünschten. Eine Umfrage kurz vor dem Sendestart von BRF2 im Jahr 2001 zeigte die Teilung besonders deutlich: Etwa die Hälfte der Befragten bevorzugte zeitgemäße Popmusik, die andere Hälfte Schlager. Mit den Nachrichten und Informationen des BRF waren die Befragten dagegen weitgehend zufrieden.
Die Idee zweier Programme lag also nahe. Ihre Umsetzung brauchte Zeit. Technische und finanzielle Grenzen standen ihr lange entgegen. Erst als zusätzliche UKW-Frequenzen verfügbar wurden, konnte der BRF den Schritt wagen.
Sendestart am 15. November 2001
Am Tag der Deutschsprachigen Gemeinschaft, dem 15. November 2001, ging BRF2 auf Sendung. Schlager, Volksmusik und beliebte Melodien hatten von nun an ein neues Zuhause. Auch internationale Evergreens gehörten von Beginn an dazu.
Für das neue Programm wurde ein zusätzliches Studio eingerichtet – erstmals mit einem digitalen Mischpult. Der Aufwand musste dennoch überschaubar bleiben. Der BRF konnte für zwei Radioprogramme keine zwei getrennten Nachrichtenredaktionen aufbauen. Deshalb wurden beide Sender zu den Nachrichten zur vollen Stunde zusammengeschaltet. Was zunächst eine praktische Lösung für ein kleines Haus war, erlaubte es, zwei unterschiedliche Musikprogramme mit einem gemeinsamen Informationsangebot zu verbinden.
Zu den Vordenkern und Moderatoren der ersten Stunde gehörten Guy Janssens (1952-2019) und Rolf Peters. Auch hinter den Kulissen war der Start eine Gemeinschaftsleistung.
Ein Blick auf das erste Programmschema zeigt, wie BRF2 damals klang: Morgens gab es das „Radiofrühstück“, danach die „Schlagermatinee“, „Frischauf“ und „Musik für Sie“. Am Wochenende standen unter anderem „Schlagersouvenirs“, Mundartsendungen und die „Deutsche Schlagerparade“ auf dem Plan. Vieles hat sich seither verändert. Die Nähe zur Musik und zum Publikum ist geblieben.
Schlagerparade älter als BRF2
Eine der bekanntesten Sendungen des zweiten Programms gab es schon lange vor dem Sender selbst. Im April 1981 ging mit Moderator Knut Kuckel die erste Schlagerparade über den Äther. Was damals begann, entwickelte sich zu einer Sendung über Jahrzehnte hinweg. Die BRF2-Schlagerparade mit Stammmoderator Volker Sailer ist heute die älteste ihrer Art im deutschsprachigen Radio.
Für das Publikum ist sie weit mehr als eine Liste von Titeln. Neue Lieder treffen auf vertraute Stimmen, Künstler auf Menschen, die ihre Musik Woche für Woche begleiten. Gerade weil deutschsprachige Musik bei anderen Sendern nicht immer selbstverständlich Platz findet, hat die Schlagerparade für BRF2 einen besonderen Wert.
Goldene Antennen und große Namen
Wie groß die Begeisterung für diese Musik war, zeigte sich am 30. April 1983 in der Mehrzweckhalle Kettenis. Rund 2.000 Gäste kamen zur ersten Verleihung der „Goldenen Antenne“. Nicole, Karel Gott und Roland Kaiser waren dabei; die Bigband des Flämischen Rundfunks begleitete den Abend musikalisch.
Bis 1993 gab es zehn Ausgaben in Ostbelgien. Ausgezeichnet wurden jeweils Künstlerinnen und Künstler, die in der BRF-Schlagerparade besonders erfolgreich waren. Von 2010 bis 2018 erlebte die Veranstaltung zunächst in der Ketteniser Mehrzweckhalle und später im Kulturzentrum Triangel in St. Vith eine Neuauflage. Nach insgesamt 19 Verleihungen musste die Reihe aus Kostengründen eingestellt werden.
Die Liste der Preisträger liest sich wie ein Streifzug durch mehrere Jahrzehnte Schlagergeschichte: Nicole, Karel Gott, Die Flippers, Claudia Jung, Andy Borg, Roland Kaiser, Monika Martin, Semino Rossi, Stefanie Hertel, Howard Carpendale, Tony Marshall und Peggy March gehören ebenso dazu wie Klubbb3 mit Florian Silbereisen. Für viele Fans waren die Verleihungen eine seltene Gelegenheit, ihre Stars in Ostbelgien zu erleben. Für den BRF wurden sie zu einem Teil seiner eigenen Geschichte.
Stimmen, die man kennt
BRF2 lebt nicht allein von seinen Liedern. Es lebt auch von den Menschen am Mikrofon und von Sendungen, die gerne gehört werden.
„BRF2 am Morgen“ begleitet die Hörer von Montag bis Samstag in den Tag. Moderatoren sind Gaby Heinen, Sabine De Groot, Andreas Ryll, Heike Verheggen, Julia Slot, Michael Larsen und Patrick Knops. Mit dabei ist auch der beliebte „Glückstreffer“ von BRF2: Die Hörer raten, welches Lied gesucht wird, und singen es live im Radio.

Im BRF2-Künstlertreff, der früher „Wochenendtreff“ hieß, geht es um die Geschichten hinter der Musik: Moderator Horst Senker spricht mit Neuentdeckungen und bekannten Musikern über ihre Lieder, ihr Leben und oft auch über ein neues Album. Superstar Helene Fischer war beispielsweise 2007, 2008 und 2011 insgesamt dreimal zu Gast im BRF-Funkhaus.
Zum Sonntagmorgen gehören außerdem die Mundartsendungen. Von Kelmis bis Burg-Reuland hat jeder Ort seinen eigenen Klang. Freie Mitarbeiter erzählen Geschichten aus den Dörfern der Deutschsprachigen Gemeinschaft – in einer Sprache, in der sie zu Hause sind. Auch die kirchlichen Sendungen haben ihren festen Platz: Sie entstehen im Auftrag des Bistums Lüttich und der Evangelischen Gemeinden in Belgien durch Ehrenamtliche.
Auch die Musik aus der Region hat auf BRF2 ihren festen Platz. Der Sender bietet ostbelgischen Schlagerkünstlern wie Luc Remó und den Froschtalern ein Forum und begleitet ihre Auftritte und Neuerscheinungen.
Zudem ist der Karneval auf BRF2 vertreten. In der Karnevalistischen Hitparade mit Moderator Patrick Knops stehen die Lieder im Mittelpunkt, die in der fünften Jahreszeit auf den Bühnen und in den Sälen der Region gesungen werden.
Ein Programm mit eigener Stimme
Die Gründung von BRF2 war die Antwort auf einen Wunsch, den das Publikum über viele Jahre geäußert hatte. Seit 2001 können BRF1 und BRF2 unterschiedliche musikalische Wege gehen und zugleich auf die gemeinsame Nachrichtenkompetenz des Hauses bauen.
25 Jahre später reicht die Geschichte von BRF2 noch immer über sein Gründungsdatum hinaus: vom Wunschkonzert, der ersten Schlagerparade und den Goldenen Antennen, bis hin zu den Stimmen und Sendungen, die heute dazugehören. Vor allem aber ist es eine Geschichte der Verbindung zwischen einem Radioprogramm und den Menschen, die es hören.
Alain Kniebs























